| Beschreibung der Höhle
Michael Riedl
Der Besucher betritt die Rettenwandhöhle durch den unteren der beiden Eingänge und gelangt nach Durchschreiten des Tores in die erste größere Halle. Ein Farbstrich an der Wand in fast zwei Metern Höhe zeigt die ehemalige Höhlensohle an. In langer und mühevoller Arbeit mussten Höhlenlehm und Schutt vom Beginn der Erschließung im Jahre 1923 bis zur Eröffnung im Jahre 1926 aus der Höhle geschafft werden, um den Besuchern den Zutritt zu erleichtern. Die Höhle ist an einer von ONO nach WSW ziehenden Kluftfuge angelegt und durch Korrosion (lösende Wirkung des Wassers) erweitert worden. Die meist schmalen und hohen Gänge haben jedoch das Gepräge einer Kluft beibehalten. Durch den "Niederen Gang" geht man weiter in das Innere des Berges. Ein aus Gips geformter Bär in einem Seitengang soll daran erinnern, dass sich in der Höhle einmal tatsächlich Höhlenbären aufgehalten haben. Im "Niederen Gang" kann man bereits die ersten Sinterbildungen wie Perlsinter, Sinterfahnen und Stalaktiten (Deckenzapfen) bewundern und an einigen Stellen ist das Niveau der alten Höhlensohle deutlich zu erkennen. Über eine Steintreppe gelangt man - vorbei an der "Qualle" - in den "Hohen Gang", in welchem keine Grabungsarbeiten mehr notwendig waren. Im "Großen Dom", der an eine gotische Kathedrale erinnert, kann der Besucher mächtige Decken- und Bodenzapfen, das "Glockenspiel" und den "Gotischen Chor" bewundern. Nun wird der Gang schmal, führt abwärts, und man muss sich bücken, um unter Sinterbrücken hindurch schreiten zu können. Diese entstanden, als sich auf dem Höhlenlehm ein Boden aus Kalksinter bildete, der bestehen blieb, nachdem der weiche Höhlenlehm weggeschwemmt worden war. Auch unter dem "Auerhahn" kann man nur gebückt hindurch gehen. Zur "Geborstenen Säule", welche gebrochen ist, weil der Untergrund in früherer Zeit nachgegeben hat, muss man wieder ein paar Stufen hinaufsteigen. Ein paar Schritte weiter kann man vom Führungsweg aus zum "Einsiedler" hinunter blicken, einem hellen Stalagmiten, der sich von der dunkleren Umgebung deutlich abhebt. Der folgende Höhlenteil ist besonders reich an Tropfsteinen und anderen Sinterformen (Perlsinter, Traubensinter, Knötchen- und Knöpfchensinter), wie sie in anderen Höhlen wohl kaum zu sehen sind. Hier befindet sich auch der "Luster" - das größte und wohl schönste Gebilde der Rettenwandhöhle. Er besteht aus einer Sinterbrücke, von der aus Tropfsteine bis nach oben zur Höhlendecke gewachsen sind. Das Ende des Führungsweges, die "Versturzhalle", ist nun bald erreicht. Namen gebend waren die zahlreichen Blöcke, welche in langen Zeiträumen von der Höhlendecke herunter gebrochen sind. Im Hintergrund der "Versturzhalle" sieht man den "Sombrero", ein Tropfsteingebilde in Form des mexikanischen Hutes, und den "Steinernen See". Die anschließenden, für den Tourismus unerschlossenen Gänge, können nur von erfahrenen Höhlenforschern befahren werden. Die Besucher gehen den gleichen Weg zurück, den sie hereingekommen sind und besichtigen schließlich im Höhlenmuseum die Ausstellungsstücke: Tonscherben, ein Bronzebeil, Tierknochen und alte Grubenlampen. Die schönsten Funde werden aber nicht in der Höhle, sondern im Museum der Stadt Kapfenberg aufbewahrt.
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